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Steuerrechtliche Konsequenzen erbrechtlicher Gestaltungen

Berät ein Anwalt bei der Abfassung eines Testaments, so muss er auch über die steuerrechtlichen Folgen der testamentarischen Anordnungen belehren und beraten. Insbesondere, wenn Unternehmensnachfolgen geregelt werden und letztwillige Verfügungen Betriebsvermögen betreffen, sollte auch der steuerrechtlich versierte Anwalt auf jeden Fall den Steuerberater des Mandanten und möglicherweise noch weitere Spezialisten hinzuziehen.

Der Wunsch des Mandanten ist es meistens, dass der oder die Erben möglichst wenig Erbschaftssteuer zahlen sollen. Dabei müssen aber die Wechselwirkungen mit anderen Steuerarten im Blick behalten werden. Ein Vermögensübergang im Wege der Erbfolge kann zur Aufdeckung stiller Reserven damit zur Einkommenssteuerpflicht führen. Geschieht dies vom Berater unbemerkt und wäre bei einer anderen Gestaltung die Steuerlast vermieden worden, liegt ein Haftungsfall vor.

Einkommenssteuer und Erbschafts- bzw. Schenkungssteuer knüpfen an die Verwirklichung unterschiedlicher Tatbestände an und es sollte eigentlich nicht zu Doppelbelastungen kommen. Die Erbschafts- und Schenkungssteuer zielt auf unentgeltliche Vermögensmehrungen ab, während der Einkommenssteuer nur solche Vorgänge unterliegen, die einer der 7 Einkunftsarten (§ 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1-7 EStG) unterfallen. Unentgeltliche Vermögensmehrungen unterfallen keiner der Einkunftsarten des Einkommenssteuerrechts. Trotzdem ergeben sich insbesondere im Rahmen der Erbauseinandersetzung immer wieder Konstellationen, in denen sowohl Erbschaftssteuer als auch Einkommenssteuer anfallen, weil es bei der Auseinandersetzung zu Gewinnrealisierungen kommt. Das ist manchmal unvermeidbar und möglicherweise sogar gewollt. Der Berater muss auf jeden Fall schon bei der Abfassung des Testaments mögliche ertragssteuerliche Folgen berücksichtigen und umfassend belehren und beraten.

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